Sönke Thomssen Bildungsprojekte

Führung bei Krankheit im Team

29. Juni 2026

Sön­ke Thoms­sen

14. August 2026

Frau in Businesskleidung putzt sich in einer Besprechung die Nase, während Kollegen am Tisch weiterarbeiten.

Das Wichtigste in Kürze

Stei­gen­de Krank­heits­ta­ge for­dern Füh­rung her­aus. Doch Füh­rung kann gestal­ten – durch Auf­merk­sam­keit, kla­re Kom­mu­ni­ka­ti­on und Bezie­hung. Kein Macht-The­ma, son­dern Hal­tung.

Stei­gen­de Krank­heits­ta­ge sind für Füh­rungs­kräf­te ein stil­les Warn­si­gnal. Die Zah­len tau­chen in Reports auf, Nach­fra­gen kom­men aus dem Manage­ment, Erwar­tun­gen ste­hen im Raum. Gleich­zei­tig wis­sen vie­le Füh­rungs­kräf­te sehr genau: Per­so­nal, Zie­le, Struk­tu­ren – die gro­ßen orga­ni­sa­to­ri­schen Stell­schrau­ben lie­gen oft nicht in ihrer Hand. Und doch bleibt das Gefühl, ver­ant­wort­lich zu sein.

Die­ser Wider­spruch prägt den Füh­rungs­all­tag vie­ler Men­schen. Nähe zu Mit­ar­bei­ten­den, hohe Ver­ant­wor­tung für Zusam­men­ar­beit und Ergeb­nis­se – aber ohne direk­ten Zugriff auf alle Ent­schei­dun­gen. Gera­de in belas­te­ten Zei­ten wird die­ser Spalt beson­ders spür­bar.

Krankheitstage sagen wenig über Führung aus – aber viel über Organisationen

Krank­heits­ta­ge sind kein direk­ter Maß­stab für Füh­rungs­qua­li­tät. Sie sagen wenig dar­über aus, ob Füh­rung gut oder schlecht ist. Sie sagen jedoch viel dar­über aus, wie Orga­ni­sa­tio­nen mit Belas­tung umge­hen – und wie sicht­bar die­se Belas­tung im All­tag wird.

Belas­tung gehört zur Arbeits­rea­li­tät. Ter­mi­ne, Ziel­vor­ga­ben, Schnitt­stel­len­pro­ble­me, Ver­än­de­rungs­pro­zes­se. Füh­rungs­kräf­te sind häu­fig damit beschäf­tigt, die­se Belas­tung zu struk­tu­rie­ren und zu ver­tei­len. Pro­ble­ma­tisch wird es dort, wo Füh­rung sich aus­schließ­lich auf die Orga­ni­sa­ti­on von Belas­tung kon­zen­triert – und dabei den Blick für die Men­schen ver­liert, die die­se Belas­tung täg­lich tra­gen.

Was Führung gestalten kann

Füh­rung kann Krank­heit nicht ver­hin­dern. Aber sie kann beein­flus­sen, ob Belas­tung bespro­chen wird, ob Rück­kehr gelingt und ob Men­schen sich gese­hen füh­len. Das hat nichts mit for­ma­ler Macht zu tun, son­dern mit Bezie­hungs­ge­stal­tung.

Aufmerksamkeit als Führungspraxis

Auf­merk­sam­keit bedeu­tet nicht, stän­dig nach­zu­fra­gen oder Für­sor­ge zu insze­nie­ren. Auf­merk­sam­keit bedeu­tet: wahr­neh­men, wenn sich etwas ver­än­dert. Wenn jemand anders reagiert als sonst. Wenn Abwe­sen­hei­ten häu­fi­ger wer­den. Wenn die Ener­gie fehlt.

Die­se Form der Auf­merk­sam­keit braucht kei­ne Dia­gno­se. Sie braucht kein the­ra­peu­ti­sches Gespräch. Sie braucht die Bereit­schaft, einen Raum zu öff­nen, in dem etwas zur Spra­che kom­men kann.

„Mir ist auf­ge­fal­len, dass Sie in den letz­ten Wochen stil­ler sind als sonst. Geht es Ihnen gut?”

Das ist kei­ne Metho­de. Das ist eine Hal­tung.

Rückkehr gestalten statt abwarten

Die Rück­kehr nach län­ge­rer Krank­heit ist für vie­le Mit­ar­bei­ten­de eine heik­le Pha­se. Unsi­cher­heit dar­über, ob man wie­der anschluss­fä­hig ist. Ob das Team einen ver­misst hat. Ob die Auf­ga­ben noch bewäl­tigt wer­den kön­nen.

Füh­rung kann die­sen Über­gang gestal­ten. Nicht durch gro­ße Ges­ten, son­dern durch kla­re Kom­mu­ni­ka­ti­on. Ein kur­zes Gespräch vor dem ers­ten Arbeits­tag kann vie­les erleich­tern: Was hat sich ver­än­dert? Was ist wich­tig zu wis­sen? Was kann in den ers­ten Tagen noch war­ten?

Das sind kei­ne Macht­ver­hält­nis­se. Das sind Bezie­hun­gen zwi­schen Men­schen, die zusam­men­ar­bei­ten.

Belastung normalisieren – ohne zu verharmlosen

Wenn Belas­tung zum Dau­er­zu­stand wird, braucht es mehr als indi­vi­du­el­le Resi­li­enz. Es braucht eine Kul­tur, in der Belas­tung benannt wer­den darf – ohne dass sofort Lösun­gen erwar­tet wer­den.

„Ja, das ist gera­de viel. Wir sehen das.” Das kann mehr bewir­ken als jede Maß­nah­me. Nor­ma­li­sie­rung bedeu­tet nicht: „Ist halt so, wird schon.” Nor­ma­li­sie­rung bedeu­tet: „Was Sie erle­ben, ist nicht Ihr per­sön­li­ches Ver­sa­gen. Es ist eine Rea­li­tät in die­ser Orga­ni­sa­ti­on.”

Das unter­schei­det sich fun­da­men­tal von Schön­re­den. Es schafft Ori­en­tie­rung.

Eine andere Führungsfrage

Die Fra­ge „Wie brin­ge ich die Krank­heits­ta­ge run­ter?” führt in die fal­sche Rich­tung. Sie macht Füh­rung zur Instanz, die etwas repa­rie­ren soll, was oft struk­tu­rell bedingt ist. Die bes­se­re Fra­ge lau­tet: Womit beschäf­ti­gen sich Men­schen gera­de mehr – mit der Belas­tung oder mit den Men­schen, die sie tra­gen?

Die­se Fra­ge lässt sich nicht mit einer Metho­de beant­wor­ten. Sie for­dert eine Ent­schei­dung dar­über, was Füh­rung sein soll: Ver­wal­tung von Pro­ble­men oder Gestal­tung von Bezie­hun­gen.

Das Wichtigste zum Schluss

Krank­heits­ta­ge las­sen sich nicht weg­füh­ren – aber wie du als Füh­rungs­kraft damit umgehst, macht einen Unter­schied. Es geht nicht um Kon­trol­le oder die eine rich­ti­ge Metho­de, son­dern um Hal­tung: Auf­merk­sam­keit zei­gen, bevor es zu spät ist, die Rück­kehr bewusst gestal­ten und Belas­tung benen­nen, ohne sie zu dra­ma­ti­sie­ren. Wirk­sa­me Füh­rung bei Krank­heit im Team beginnt dort, wo du auf­hörst, nach Patent­lö­sun­gen zu suchen, und anfängst, Bezie­hun­gen zu gestal­ten.

FAQ

Warum sagen Krankheitstage wenig über die Führungsqualität aus?

Krank­heits­ta­ge sind kein direk­ter Maß­stab für gute oder schlech­te Füh­rung. Sie zei­gen vor allem, wie eine Orga­ni­sa­ti­on mit Belas­tung umgeht – und wie sicht­bar die­se Belas­tung im All­tag wird. Ter­mi­ne, Ziel­vor­ga­ben und Schnitt­stel­len­pro­ble­me gehö­ren zur Arbeits­rea­li­tät und las­sen sich nicht allein auf Füh­rungs­kräf­te zurück­füh­ren.

Was kannst du als Führungskraft konkret tun, wenn ein Teammitglied krankheitsbedingt ausfällt?

Du kannst Krank­heit nicht ver­hin­dern, aber du kannst beein­flus­sen, ob dar­über gespro­chen wird, ob die Rück­kehr gelingt und ob sich Men­schen gese­hen füh­len. Das hat nichts mit for­ma­ler Macht zu tun, son­dern mit Bezie­hungs­ge­stal­tung – etwa durch ech­tes Inter­es­se und eine offe­ne Fra­ge wie „Mir ist auf­ge­fal­len, dass Sie in letz­ter Zeit anders wir­ken – geht es Ihnen gut?”

Wie gestaltest du die Rückkehr nach längerer Krankheit im Team?

Die Rück­kehr ist für vie­le Mit­ar­bei­ten­de eine heik­le Pha­se. Wich­tig ist nicht die gro­ße Ges­te, son­dern ein kla­res, kur­zes Gespräch vor dem ers­ten Arbeits­tag: Was hat sich ver­än­dert? Was muss die Per­son wis­sen? Wel­che Auf­ga­ben war­ten? Das schafft Ori­en­tie­rung und macht den Wie­der­ein­stieg leich­ter.

Zum Weiterdenken

Wie auf­merk­sam ist dein Team aktu­ell unter­wegs – merkt ihr, wenn jemand an sei­ne Gren­zen kommt? Wie läuft die Rück­kehr nach Krank­heit bei Euch meis­tens ab – eher bei­läu­fig oder bewusst gestal­tet? Und: Wird Belas­tung bei Euch offen ange­spro­chen, oder lie­ber still­schwei­gend mit­ge­tra­gen?

Wenn dich eine die­ser Fra­gen beschäf­tigt, mel­de dich gern – ich freue mich auf den Aus­tausch.

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Sönke Thomssen

Sönke Thomssen

Trai­ner & Coach, Inha­ber Thoms­sen Bil­dungs­pro­jek­te

Jahr­gang 1969, zu Hau­se in Nor­den­ham. Trai­ner und Coach, seit dem Jahr 2000 unter­wegs mit Füh­rungs­kräf­ten und Ver­triebs­teams im DACH-Raum.

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Sönke Thomssen

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