Sönke Thomssen Bildungsprojekte

Hypnosystemische Ansätze –
Stärken nutzen, Aufmerksamkeit lenken

Nicht was fehlt, son­dern was schon da ist.

Was heißt hypnosystemisch denken?

Hypnosystemisches Arbeiten: Aufmerksamkeit und Stärken im Blick

Vor einem schwie­ri­gen Gespräch denkst du oft an das, was schief­ge­hen kann. An den Wider­spruch, die Ableh­nung, das eige­ne Zögern. Genau das wird dann grö­ßer. Hyp­no­sys­te­mi­sches Arbei­ten stellt eine ande­re Fra­ge: Wor­auf rich­test du dei­ne Auf­merk­sam­keit, und was davon willst du stär­ken?

Der Ansatz ver­bin­det zwei Blick­rich­tun­gen. „Hyp­no“ meint hier nicht Trance oder Büh­nen­hyp­no­se. Gemeint ist die bewuss­te Gestal­tung von Auf­merk­sam­keit, auch bei inne­ren Bil­dern, Kör­per­emp­fin­dun­gen, Gewohn­hei­ten und Selbst­ge­sprä­chen. „Sys­te­misch“ meint die Bezie­hun­gen, Rol­len und Mus­ter, in denen Men­schen han­deln und ler­nen.

Bei­des zusam­men schaut nicht auf einen Man­gel, son­dern auf vor­han­de­ne Stär­ken und den Kon­text. Ein Pro­blem gilt dabei nicht als fes­te Eigen­schaft. Es ist eher ein Mus­ter aus Auf­merk­sam­keit und Erle­ben, das gera­de domi­nant ist und oft sogar einen nach­voll­zieh­ba­ren Nut­zen hat. Der hyp­no­sys­te­mi­sche Blick fragt des­halb:

  • Wor­auf rich­tet eine Per­son gera­de ihre Auf­merk­sam­keit?
  • Wel­che inne­ren Mus­ter wer­den dadurch stark?
  • Wel­che Rol­len und Erwar­tun­gen wir­ken im Hin­ter­grund mit?
  • Wel­che Fähig­kei­ten und gelun­ge­nen Aus­nah­men gibt es schon?
  • Wel­che klei­ne, selbst erreich­ba­re Ver­än­de­rung soll wahr­schein­li­cher wer­den?

Ein Begriff taucht dabei immer wie­der auf: Uti­li­sa­ti­on. Er bedeu­tet, dass alles genutzt wird, was jemand mit­bringt, auch Zwei­fel, Skep­sis oder alte Schutz­stra­te­gien. Nichts davon wird bekämpft. Es wird gewür­digt und dar­auf­hin befragt, wie es für den nächs­ten Schritt hilf­reich wer­den kann.

Worauf sich das stützt

Der hyp­no­sys­te­mi­sche Ansatz hat kei­ne ein­zel­ne Quel­le. Er ist aus meh­re­ren Lini­en zusam­men­ge­wach­sen.

Hypnotherapie nach Milton Erickson

Der ame­ri­ka­ni­sche Arzt Mil­ton H. Erick­son arbei­te­te sprach­lich indi­rekt, indi­vi­du­ell und res­sour­cen­ori­en­tiert. Er ver­stand auch schwie­ri­ges Ver­hal­ten als Erfah­rung, die sich nut­zen lässt. Dafür setz­te er Bil­der, Geschich­ten und die geziel­te Len­kung von Auf­merk­sam­keit ein.

Systemische Beratung

Die zwei­te Wur­zel ist das sys­te­mi­sche Den­ken. Es schaut auf Bezie­hun­gen, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Kon­text statt auf ein­zel­ne Defi­zi­te. Men­schen und ihre Mus­ter wer­den im Zusam­men­spiel betrach­tet, nicht für sich allein.

Dr. Gunther Schmidt

Zusam­men­ge­führt hat bei­des der Arzt und Diplom-Volks­wirt Gun­ther Schmidt, Lei­ter des Mil­ton-Erick­son-Insti­tuts Hei­del­berg. Er präg­te um 1980 den Begriff hyp­no­sys­te­misch. Und er ent­wi­ckel­te den Ansatz für Bera­tung, Coa­ching sowie Team- und Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung wei­ter.

Weitere Einflüsse

Je nach Anwen­dungs­feld flie­ßen wei­te­re Metho­den ein, etwa aus Kör­per­ar­beit, Psy­cho­dra­ma oder der sys­te­mi­schen Hei­del­ber­ger Schu­le. Der Kern bleibt gleich: vor­han­de­ne Fähig­kei­ten akti­vie­ren und die Auf­merk­sam­keit bewusst dort­hin len­ken, wo Ent­wick­lung mög­lich wird.

Was der Ansatz leistet

In der Wei­ter­bil­dung bie­tet der Ansatz vor allem einen Rah­men für res­sour­cen­ori­en­tier­te Lern­be­glei­tung. Er passt beson­ders, wenn Men­schen nicht nur Wis­sen auf­neh­men, son­dern ihre Hal­tung, ihre Kom­mu­ni­ka­ti­on oder ihre Füh­rungs­rou­ti­ne wei­ter­ent­wi­ckeln wol­len.

Ein Bei­spiel aus einem Chan­ge-Work­shop: Ein Teil­neh­mer sagt, „bei jeder Ver­än­de­rung wird am Ende nur mehr Arbeit auf uns abge­la­den“. Die schnel­le Reak­ti­on wäre ein Appell, offe­ner zu wer­den. Hyp­no­sys­te­misch klingt es anders: „Dei­ne Erfah­rung macht dich auf­merk­sam für Über­las­tung. Wor­an wür­dest du mer­ken, dass die­se Ver­än­de­rung dies­mal auch Ent­las­tung bringt?“ Aus Wider­stand wird so eine Quel­le für Infor­ma­tio­nen.

Der Nut­zen liegt in der Ver­bin­dung von Per­son und Kon­text. Eine Füh­rungs­kraft kann ihre Gesprächs­füh­rung ver­bes­sern. Doch wider­sprüch­li­che Zie­le oder dau­er­haf­te Über­las­tung las­sen sich nicht allein durch eige­nes Umden­ken lösen. Der Ansatz nimmt bei­des in den Blick: die eige­nen Stär­ken und die Bedin­gun­gen, in denen sie wir­ken.

Wo die Grenzen liegen

Hyp­no­sys­te­mi­sche Ansät­ze sind ein Lern- und Bera­tungs­kon­zept, kein Ersatz für Dia­gnos­tik oder The­ra­pie. Weil sie mit Auf­merk­sam­keit, Gefüh­len und inne­ren Bil­dern arbei­ten, sind Auf­trag und Qua­li­fi­ka­ti­on wich­tig. In einem Semi­nar bear­bei­ten wir kei­ne trau­ma­ti­schen Erfah­run­gen und kei­ne psy­chi­schen Kri­sen. Übun­gen blei­ben frei­wil­lig, und nie­mand muss mit­ma­chen.

Auch als Metho­de ist der Ansatz kein Patent­re­zept. Er ver­spricht kei­ne schnel­le Wand­lung und kei­ne Wir­kung auf Knopf­druck. Sei­ne Stär­ke liegt woan­ders: Er wür­digt, was schon da ist, lenkt die Auf­merk­sam­keit auf erreich­ba­re Zie­le und macht Ver­än­de­rung durch pas­sen­de Fra­gen und klei­ne Schrit­te wahr­schein­li­cher.

Wofür sich das eignet

Der hyp­no­sys­te­mi­sche Blick trägt beson­ders, wenn es um Hal­tung, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Selbst­steue­rung geht. Zum Bei­spiel bei:

  • der Füh­rungs­kräf­te­ent­wick­lung und der eige­nen Füh­rungs­rol­le
  • Kon­flik­ten und schwie­ri­gen Gesprä­chen
  • Ver­än­de­rungs- und Digi­ta­li­sie­rungs­pro­zes­sen
  • dem Umgang mit Ambi­va­lenz und Wider­stand
  • Resi­li­enz und dem Umgang mit Belas­tung
  • dem Trans­fer von Gelern­tem in den Arbeits­all­tag

In der Wei­ter­bil­dung heißt das kon­kret: Wir arbei­ten mit ech­ten Situa­tio­nen aus dei­nem All­tag. Mit lösungs­fo­kus­sier­ten Fra­gen, kur­zen Zukunfts­pro­ben und Bil­dern, die ein Ziel greif­bar machen. So ent­steht kein abs­trak­ter Vor­satz, son­dern ein Plan, den du selbst steu­ern kannst.

Sollen wir darüber sprechen?

Wenn du dei­ne Stär­ken in anspruchs­vol­len Rol­len und Ver­än­de­run­gen bewuss­ter nut­zen willst, schau­en wir gern gemein­sam dar­auf. Wir arbei­ten von Nor­den­ham aus, bun­des­weit und online. Ein ruhi­ges ers­tes Gespräch reicht, um zu klä­ren, ob ein hyp­no­sys­te­mi­scher Zugang zu dei­ner Situa­ti­on passt.