Sönke Thomssen Bildungsprojekte

Hypnotherapeutische Ansätze –
Aufmerksamkeit gezielt nutzen

Kein Kon­troll­ver­lust, son­dern gelenk­te Auf­merk­sam­keit.

Was heißt hypnotherapeutisch arbeiten?

Frau mit geschlossenen Augen in ruhiger, nach innen gerichteter Haltung

Du stehst vor einem schwie­ri­gen Gespräch. Der Kopf ist voll, die Gedan­ken krei­sen. Der schnel­le Rat lau­tet: reiß dich zusam­men. Hyp­no­the­ra­peu­ti­sches Arbei­ten geht anders vor. Es fragt: Wie kannst du dei­ne Auf­merk­sam­keit so len­ken, dass du ruhi­ger und kla­rer wirst?

Im Kern geht es um einen Zustand kon­zen­trier­ter, nach innen gerich­te­ter Auf­merk­sam­keit. Fach­leu­te nen­nen ihn Trance. Das ist kein Schlaf und kein Kon­troll­ver­lust. Äuße­re Rei­ze tre­ten in den Hin­ter­grund, wäh­rend inne­re Bil­der, Kör­per­emp­fin­dun­gen und Vor­stel­lun­gen stär­ker her­vor­tre­ten.

Mit Spra­che, Bil­dern und Vor­stel­lun­gen lässt sich die­se Auf­merk­sam­keit gezielt nut­zen. Nicht, um dir etwas ein­zu­re­den, son­dern um hilf­rei­che Erfah­run­gen zugäng­lich zu machen. In der Wei­ter­bil­dung fra­gen wir des­halb nicht: Was stimmt nicht mit dir? Son­dern:

  • Wor­auf rich­test du gera­de dei­ne Auf­merk­sam­keit, und wor­auf möch­test du sie rich­ten?
  • Wel­che inne­ren Bil­der tau­chen auf, wenn du an die Situa­ti­on denkst?
  • Wel­che Erfah­rung von Ruhe oder Sicher­heit kennst du schon?
  • Was ver­än­dert sich, wenn du dir den nächs­ten Schritt kon­kret vor­stellst?
  • Wor­an wür­dest du mer­ken, dass es dir leich­ter fällt?

Das zen­tra­le Werk­zeug dahin­ter heißt Sug­ges­ti­on. Damit sind sprach­li­che Ange­bo­te gemeint, die dei­ne Auf­merk­sam­keit und dein Erle­ben behut­sam len­ken: ein Bild, eine Fra­ge, eine Vor­stel­lung. Gute Sug­ges­tio­nen las­sen dir die Wahl. Sie öff­nen einen Mög­lich­keits­raum, statt dir etwas vor­zu­schrei­ben. Genau dar­in liegt der Kern hyp­no­the­ra­peu­ti­scher Arbeit.

Worauf sich das stützt

Hyp­no­the­ra­peu­ti­sche Ansät­ze haben kei­ne ein­zel­ne Quel­le. Sie sind aus meh­re­ren Lini­en zusam­men­ge­wach­sen.

Mesmer und die frühen Anfänge

Im 18. Jahr­hun­dert präg­te Franz Anton Mes­mer mit sei­nem „ani­ma­li­schen Magne­tis­mus“ das öffent­li­che Bild der Hyp­no­se. Sei­ne Erklä­run­gen gel­ten heu­te als über­holt. Doch sei­ne Arbeit gab den Anstoß, sich ernst­haft mit Sug­ges­ti­on und Trance zu beschäf­ti­gen.

Die medizinischen Hypnoseschulen

Im 19. Jahr­hun­dert ent­stan­den medi­zi­nisch ori­en­tier­te Hyp­no­se­schu­len, unter ande­rem in Paris und Nan­cy. Nicht mehr geheim­nis­vol­le Kräf­te stan­den im Mit­tel­punkt, son­dern Sug­ges­ti­on, Erwar­tung und die Bezie­hung zwi­schen den Betei­lig­ten.

Milton Erickson

Im 20. Jahr­hun­dert ent­wi­ckel­te Mil­ton H. Erick­son einen indi­rek­ten, res­sour­cen- und lösungs­ori­en­tier­ten Stil. Er arbei­te­te mit Geschich­ten, Bil­dern und den Erfah­run­gen der ein­zel­nen Per­son. Die­ser Stil prägt bis heu­te Coa­ching und Bera­tung.

Anerkennung und Abgrenzung

Heu­te gilt Hyp­no­the­ra­pie als aner­kann­tes psy­cho­the­ra­peu­ti­sches Ver­fah­ren. Der Wis­sen­schaft­li­che Bei­rat Psy­cho­the­ra­pie erkann­te sie 2006 für Erwach­se­ne in bestimm­ten Berei­chen an. Das heißt nicht, dass Hyp­no­se alles kann. Für Bil­dung und Coa­ching nut­zen wir ein­zel­ne Ele­men­te dar­aus, nicht die Heil­be­hand­lung.

Was der Ansatz leistet

In der Wei­ter­bil­dung wir­ken hyp­no­ti­sche Ver­fah­ren vor allem indi­rekt. Sie ver­mit­teln kein Wis­sen und kei­ne Fach­kom­pe­tenz. Ihr Nut­zen liegt dar­in, einen Zustand zu gestal­ten, in dem du dei­ne Auf­merk­sam­keit steu­erst, belas­ten­de Selbst­ge­sprä­che rela­ti­vierst und ein Ziel emo­tio­nal greif­bar machst.

Ein Bei­spiel aus einem Füh­rungs­kräf­te­trai­ning: Vor einem schwie­ri­gen Feed­back­ge­spräch nimmst du dir fünf Minu­ten. Du sitzt auf­recht und ruhig und rich­test die Auf­merk­sam­keit auf dei­nen Atem. Dann stellst du dir die ers­te Minu­te des Gesprächs kon­kret vor: dei­ne Hal­tung, dei­ne Stim­me, dei­nen ers­ten Satz. Zum Schluss notierst du eine kla­re Absicht und einen Ein­stiegs­satz.

Der hyp­no­tisch inspi­rier­te Teil schafft hier kei­ne Kom­pe­tenz auf Knopf­druck. Er unter­stützt die inne­re Vor­be­rei­tung. Die eigent­li­che Ent­wick­lung ent­steht durch Pla­nung, Übung, Rück­mel­dung und die Umset­zung im Arbeits­all­tag.

Wo die Grenzen liegen

Hyp­no­the­ra­peu­tisch inspi­riert zu arbei­ten heißt nicht, Krank­hei­ten zu behan­deln. In Bil­dung und Coa­ching bear­bei­ten wir kei­ne psy­chi­schen Stö­run­gen, kei­ne Trau­ma­ta und kei­ne Sucht. Dafür gibt es kein Heil­ver­spre­chen. Das gehört in qua­li­fi­zier­te psy­cho­the­ra­peu­ti­sche oder medi­zi­ni­sche Hän­de.

Auch was Hyp­no­se leis­ten kann, ist begrenzt. Sie ist kein Super­lear­ning und spielt nichts ins Unter­be­wusst­sein. Erin­ne­run­gen las­sen wir nicht „auf­de­cken“, denn dabei ent­ste­hen leicht fal­sche Erin­ne­run­gen. Jede Übung bleibt frei­wil­lig, wird offen ange­kün­digt und ist jeder­zeit abbrech­bar. Bei Anzei­chen einer see­li­schen Kri­se arbei­ten wir nicht mit Trance, son­dern ver­wei­sen an Fach­leu­te.

Wofür sich das eignet

Hyp­no­tisch inspi­rier­te Übun­gen eig­nen sich dort, wo es um Auf­merk­sam­keit, Ruhe und men­ta­le Vor­be­rei­tung geht. Zum Bei­spiel bei:

  • der men­ta­len Vor­be­rei­tung auf Prä­sen­ta­tio­nen, Prü­fun­gen oder schwie­ri­ge Gesprä­che
  • der Res­sour­cen­ak­ti­vie­rung vor Kon­flikt- oder Ver­än­de­rungs­si­tua­tio­nen
  • einer kur­zen Rou­ti­ne gegen Anspan­nung und Grü­beln
  • dem gedank­li­chen Durch­spie­len eines Ziel­ver­hal­tens, etwa eines Feed­back­ge­sprächs
  • dem Stär­ken von Selbst­wirk­sam­keit bei beruf­li­chen Lern­vor­ha­ben
  • der Refle­xi­on über inne­re Bil­der und hin­der­li­che Erwar­tun­gen

In der Wei­ter­bil­dung heißt das kon­kret: kur­ze, frei­wil­li­ge Übun­gen, immer offen ange­kün­digt und danach gemein­sam aus­ge­wer­tet. Nicht die Trance ist das Ziel, son­dern der nächs­te kon­kre­te Schritt in dei­nem Arbeits­all­tag.

Sollen wir darüber sprechen?

Wenn du hyp­no­ti­sche Ele­men­te behut­sam, frei­wil­lig und fach­lich sau­ber in dei­ne Wei­ter­bil­dung oder dein Coa­ching ein­bin­den willst, schau­en wir gern gemein­sam dar­auf. Wir arbei­ten von Nor­den­ham aus, bun­des­weit und online. Ein ruhi­ges ers­tes Gespräch reicht, um zu klä­ren, ob die­ser Zugang zu dei­ner Situa­ti­on passt.