Sönke Thomssen Bildungsprojekte

Neurowissenschaftliche Ansätze –
Wie Lernen im Kopf gelingt

Nicht mehr Stoff auf ein­mal, son­dern das Rich­ti­ge zur rich­ti­gen Zeit.

Was heißt neurowissenschaftlich denken?

Kopf mit hervorgehobenem Gehirn als Sinnbild für Lernen und Gedächtnis

Ein Semi­nar ist vor­bei, alle waren begeis­tert. Zwei Wochen spä­ter ist im Arbeits­all­tag wenig davon übrig. Die schnel­le Erklä­rung lau­tet: zu wenig Dis­zi­plin. Die neu­ro­wis­sen­schaft­li­che Fra­ge lau­tet anders: Was braucht das Gehirn, damit Neu­es hän­gen bleibt?

Neu­ro­wis­sen­schaf­ten unter­su­chen, wie unser Ner­ven­sys­tem arbei­tet: wie wir wahr­neh­men, den­ken, füh­len und uns erin­nern. Für die Erwach­se­nen­bil­dung sind sie eine Ergän­zung, kein Ersatz. Ler­nen bleibt zugleich ein psy­cho­lo­gi­scher, sozia­ler und bio­gra­fi­scher Vor­gang.

„Neu­ro­and­r­ago­gik“ nennt man den Ver­such, Erkennt­nis­se über das erwach­se­ne Gehirn mit den Prin­zi­pi­en der Erwach­se­nen­bil­dung zu ver­bin­den. Im Mit­tel­punkt ste­hen Fra­gen wie:

  • Unter wel­chen Bedin­gun­gen bleibt Auf­merk­sam­keit erhal­ten?
  • Wie ent­ste­hen und fes­ti­gen sich Erin­ne­run­gen?
  • Wel­che Rol­le spie­len Vor­wis­sen, Bedeu­tung und Emo­ti­on?
  • War­um ver­än­dert ein ein­zel­ner Impuls­vor­trag sel­ten das Ver­hal­ten?
  • Wie las­sen sich Ler­nen und Trans­fer über län­ge­re Zeit beglei­ten?

Der Grund­ge­dan­ke dahin­ter: Ler­nen ver­än­dert, wie Ner­ven­zel­len mit­ein­an­der spre­chen. Ver­bin­dun­gen, die du wie­der­holt und mit Bedeu­tung nutzt, wer­den sta­bi­ler und schnel­ler. Die­se Anpas­sungs­fä­hig­keit heißt Neu­ro­plas­ti­zi­tät. Sie bleibt auch im Erwach­se­nen­al­ter erhal­ten.

Worauf sich das stützt

Der Ansatz stützt sich nicht auf eine ein­zel­ne Idee, son­dern auf meh­re­re gut beleg­te Befun­de aus der Lern- und Gedächt­nis­for­schung.

Plastizität braucht Wiederholung

Das Gehirn ver­än­dert sei­ne Ver­schal­tun­gen durch Erfah­rung und Übung. Neue Kom­pe­ten­zen sind des­halb bis ins hohe Alter mög­lich, brau­chen aber Zeit, Wie­der­ho­lung und ech­te Anwen­dung. Nicht die Men­ge an Infor­ma­ti­on ent­schei­det, son­dern die akti­ve Ver­ar­bei­tung.

Das Arbeitsgedächtnis ist begrenzt

Neu­es wird zuerst nur in klei­nen Men­gen ver­ar­bei­tet. Über­la­de­ne Foli­en und zu viel Stoff auf ein­mal über­for­dern es. Bes­ser wir­ken eine kla­re Kern­idee je Schritt, gute Bei­spie­le und eine Schwie­rig­keit, die lang­sam steigt.

Abruf schlägt Wiederlesen

Wer Inhal­te aktiv aus dem Gedächt­nis holt, behält sie län­ger als beim blo­ßen Nach­le­sen. Kur­ze Tests, Fall­fra­gen und das Erklä­ren in eige­nen Wor­ten sind des­halb kei­ne Spie­le­rei, son­dern der eigent­li­che Lern­mo­ment.

Verteiltes Lernen festigt

Wie­der­ho­lun­gen mit zeit­li­chem Abstand wir­ken bes­ser als geball­tes Üben an einem ein­zi­gen Tag. Frisch Gelern­tes ist anfangs fra­gil und wird über Tage und mit Schlaf sta­bi­ler. Lern­im­pul­se und Auf­fri­schun­gen über Wochen zu ver­tei­len, zahlt sich aus.

Was der Ansatz leistet

Erwach­se­ne sind nicht zu alt zum Ler­nen. Das Gehirn bleibt form­bar, und Erfah­rung ist ein Vor­teil, kein Hin­der­nis. Neu­es wird beson­ders gut auf­ge­nom­men, wenn es an vor­han­de­nes Wis­sen und die eige­ne Rol­le anknüpft.

Ein Bei­spiel: Eine Füh­rungs­kraft soll kla­res und wert­schät­zen­des Feed­back geben. Ein zwei­stün­di­ger Vor­trag über Feed­back­re­geln bleibt sel­ten hän­gen. Anders, wenn sie an eine eige­ne schwie­ri­ge Gesprächs­si­tua­ti­on anknüpft, das Modell in eige­nen Wor­ten erklärt und ein anste­hen­des Gespräch im Rol­len­spiel übt. So wird aus Wis­sen ein Ver­hal­ten, das im Ernst­fall ver­füg­bar ist.

Gera­de das Umler­nen ist anspruchs­voll. Ein­ge­spiel­te Rou­ti­nen lau­fen auto­ma­tisch ab. Wer sie ändern will, braucht nicht nur Ein­sicht, son­dern wie­der­hol­te Übung, Rück­mel­dung und Anwen­dung in ech­ten Situa­tio­nen.

Wo die Grenzen liegen

Die Ver­bin­dung von Gehirn­for­schung und Didak­tik ist reiz­voll und genau des­halb hei­kel. Aus einem ein­zel­nen Befund lässt sich kei­ne fer­ti­ge Lehr­me­tho­de ablei­ten. Ein Hirn­scan erklärt nicht, wie ein gutes Trai­ning oder eine trag­fä­hi­ge Lern­kul­tur aus­sieht.

Vor­sicht ist auch bei ver­brei­te­ten Neu­ro­my­then gebo­ten: dass Men­schen „links- oder rechts­hir­n­ig“ sei­en, dass wir nur zehn Pro­zent des Gehirns nutz­ten oder dass jeder einen fes­ten „Lern­typ“ habe, auf den man den Unter­richt zuschnei­den müs­se. Vor­lie­ben gibt es, doch die pass­ge­naue Zuord­nung ist nicht belegt. Der Wert liegt woan­ders: Der Ansatz erin­nert dar­an, dass Ler­nen Bedeu­tung, Übung und Zeit braucht.

Wofür sich das eignet

Der neu­ro­wis­sen­schaft­li­che Blick hilft über­all dort, wo Wis­sen nicht nur gehört, son­dern im All­tag ange­wen­det wer­den soll. Zum Bei­spiel bei:

  • Trai­nings, deren Wir­kung nach kur­zer Zeit ver­pufft
  • Ver­hal­tens­än­de­rung bei Füh­rung, Feed­back oder Kon­flik­ten
  • Onboar­ding und Qua­li­fi­zie­rung mit viel neu­em Stoff
  • dem Trans­fer vom Semi­nar zurück in die täg­li­che Pra­xis
  • Pro­gram­men, die über meh­re­re Wochen beglei­tet wer­den
  • Wei­ter­bil­dung, die die Erfah­rung der Teil­neh­men­den ernst nimmt

In der Wei­ter­bil­dung heißt das kon­kret: kur­ze, kla­re Impul­se, akti­ver Abruf, ech­te Fäl­le und Wie­der­ho­lung mit Abstand. Nicht ein vol­ler Semi­nar­tag allein, son­dern rele­van­te Lern­ge­le­gen­hei­ten, die auf­ein­an­der auf­bau­en.

Sollen wir darüber sprechen?

Wenn du Wei­ter­bil­dung planst, die im All­tag wirk­lich ankommt, schau­en wir gern gemein­sam dar­auf. Wir arbei­ten von Nor­den­ham aus, bun­des­weit und online. Ein ruhi­ges ers­tes Gespräch reicht, um zu klä­ren, wie sich Ler­nen bei euch so gestal­ten lässt, dass es hän­gen bleibt.