Sönke Thomssen Bildungsprojekte

Systemische Ansätze –
Denken in Zusammenhängen

Nicht wer schuld ist, son­dern was zusam­men­wirkt.

Was heißt systemisch denken?

Ineinandergreifende Zahnräder als Sinnbild für Wechselwirkungen im System

Ein Team läuft nicht rund. Die schnel­le Fra­ge lau­tet: Wer macht den Feh­ler? Sys­te­mi­sches Den­ken stellt eine ande­re Fra­ge: Was zwi­schen den Betei­lig­ten hält die Situa­ti­on fest?

Ein Sys­tem ist eine Ein­heit aus Tei­len, die mit­ein­an­der in Bezie­hung ste­hen. In einer Orga­ni­sa­ti­on sind das Men­schen, Rol­len, Auf­ga­ben und Regeln. Ent­schei­dend sind nicht die ein­zel­nen Tei­le, son­dern die Mus­ter, in denen sie zusam­men­wir­ken.

Des­halb fragt der sys­te­mi­sche Blick nicht zuerst nach Schuld oder nach der einen Ursa­che. Er fragt nach dem Zusam­men­hang:

  • In wel­chem Kon­text tritt ein Ver­hal­ten auf?
  • Wel­che Wech­sel­wir­kun­gen hal­ten die Lage sta­bil?
  • Wel­che Sicht­wei­sen bestehen neben­ein­an­der?
  • Wel­che Stär­ken und gelin­gen­den Aus­nah­men gibt es schon?
  • Was ändert sich, wenn eine Per­son anders han­delt oder anders spricht?

Das unter­schei­det sich vom linea­ren Den­ken. „Schlech­te Füh­rung macht demo­ti­vier­te Mit­ar­bei­ter“ – so ein­fach ist es sel­ten. Meist ver­stär­ken sich meh­re­re Din­ge gegen­sei­tig: unkla­re Zie­le, Über­las­tung, der Umgang mit Feh­lern, stil­le Regeln im Team. Fach­leu­te nen­nen die­se wech­sel­sei­ti­ge Wir­kung Zir­ku­la­ri­tät. Sie ist der Kern des sys­te­mi­schen Den­kens.

Worauf sich das stützt

Sys­te­mi­sche Ansät­ze haben kei­ne ein­zel­ne Quel­le. Sie sind aus meh­re­ren Lini­en zusam­men­ge­wach­sen.

Die Systemtheorie

Der Bio­lo­ge Lud­wig von Ber­tal­anffy leg­te ab den 1920er-Jah­ren den Grund­stein. Sein Gedan­ke: Leben­di­ge Sys­te­me ste­hen im Aus­tausch mit ihrer Umwelt. Man ver­steht sie nicht, wenn man sie nur in Ein­zel­tei­le zer­legt. Das Gan­ze ist mehr als die Sum­me sei­ner Tei­le.

Die Kybernetik

In den 1940er- und 1950er-Jah­ren kamen Steue­rung und Rück­kopp­lung dazu. Regel­krei­se, Feed­back, Selbst­steue­rung – dar­aus ent­stand die Fra­ge für sozia­le Sys­te­me: Wie sta­bi­li­sie­ren sich Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mus­ter selbst? Und wie ent­ste­hen neue?

Familientherapie und Beratung

Ab den 1950er-Jah­ren über­tru­gen Fami­li­en- und Paar­the­ra­peu­ten die­se Ideen auf mensch­li­che Bezie­hun­gen. Der Blick ver­schob sich: weg vom ver­meint­lich schwie­ri­gen Ein­zel­nen, hin zu den Mus­tern zwi­schen Men­schen. Aus die­ser Wur­zel wuch­sen sys­te­mi­sche Bera­tung, Super­vi­si­on, Coa­ching und Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung.

Der Konstruktivismus

Spä­ter kam ein wich­ti­ger Gedan­ke hin­zu: Wer beob­ach­tet, steht nicht neu­tral dane­ben. Er wählt aus, deu­tet und beein­flusst durch sei­ne Fra­gen. Auch Trai­ner, Coach oder Füh­rungs­kraft sind Teil des Gesche­hens. Gute Fach­ar­beit lie­fert des­halb nicht die eine rich­ti­ge Dia­gno­se. Sie hilft den Betei­lig­ten, hilf­rei­che­re Beschrei­bun­gen und neue Hand­lungs­we­ge zu fin­den.

Was der Ansatz leistet

Eine Orga­ni­sa­ti­on ist kei­ne Maschi­ne mit einer Stell­schrau­be. Stra­te­gie, Struk­tur, Füh­rung, Kul­tur, stil­le Regeln und Kom­mu­ni­ka­ti­on grei­fen inein­an­der. Genau hier hilft der sys­te­mi­sche Blick – vor allem, wenn ein Pro­blem mehr­deu­tig ist und sich nicht mit einer Ein­zel­maß­nah­me lösen lässt.

Ein Bei­spiel aus dem All­tag: Nach einem Füh­rungs­kräf­te­trai­ning heißt es oft, „die Füh­rungs­kräf­te wen­den das Gelern­te nicht an“. Der sys­te­mi­sche Blick fragt wei­ter. Wel­che Ziel­kon­flik­te bestehen im Tages­ge­schäft? Erlaubt die Feh­ler­kul­tur neue Wege? Bleibt Zeit zum Nach­den­ken? Trägt die nächst­hö­he­re Ebe­ne die neu­en Prak­ti­ken mit?

Dann wird sicht­bar: Trans­fer ist nicht die Sache ein­zel­ner Teil­neh­mer allein. Er ent­steht im Zusam­men­spiel von Per­son, Auf­ga­be, Füh­rung, Team und Kul­tur. Ler­nen wird so zur Fähig­keit einer gan­zen Orga­ni­sa­ti­on – Erfah­run­gen auf­zu­neh­men, zu tei­len und im nächs­ten Schritt zu nut­zen.

Wo die Grenzen liegen

Sys­te­misch heißt nicht, dass per­sön­li­che Ver­ant­wor­tung ver­schwin­det. Sie bleibt – nur betrach­ten wir sie zusam­men mit ihren Bedin­gun­gen. Wer alles auf „das Sys­tem“ schiebt, macht es sich zu leicht.

Der Ansatz ist auch kein Patent­re­zept. Er löst nicht jedes Pro­blem, und er ist kei­ne Aus­re­de für Unver­bind­lich­keit. Sein Wert liegt woan­ders: Er redu­ziert Kom­ple­xi­tät nicht vor­schnell auf eine ein­zi­ge Ursa­che. Er lädt ein, genau­er hin­zu­se­hen, bes­se­re Fra­gen zu stel­len und Ver­än­de­rung in klei­nen, kon­kre­ten Schrit­ten zu erpro­ben.

Wofür sich das eignet

Der sys­te­mi­sche Blick trägt beson­ders, wenn Ursa­chen unklar sind und meh­re­re Kräf­te zusam­men­wir­ken. Zum Bei­spiel bei:

  • Kon­flik­ten zwi­schen Berei­chen oder Hier­ar­chie­ebe­nen
  • Wider­stand gegen Ver­än­de­rung und Digi­ta­li­sie­rung
  • unkla­ren Rol­len, Zustän­dig­kei­ten und Ent­schei­dungs­we­gen
  • schwie­ri­gen Füh­rungs- und Team­dy­na­mi­ken
  • hoher Belas­tung, Fehl­zei­ten oder Fluk­tua­ti­on
  • Trai­nings, deren Wir­kung im All­tag ver­pufft

In der Wei­ter­bil­dung heißt das kon­kret: Wir arbei­ten mit ech­ten Fäl­len, mit kol­le­gia­ler Bera­tung, Per­spek­tiv­wech­sel und zir­ku­lä­ren Fra­gen. Nicht abs­trak­ter Stoff, son­dern die Situa­tio­nen, die dich gera­de beschäf­ti­gen.

Sollen wir darüber sprechen?

Wenn du in dei­ner Orga­ni­sa­ti­on vor einer Fra­ge stehst, die sich nicht mit einer ein­zel­nen Maß­nah­me lösen lässt, schau­en wir gern gemein­sam dar­auf. Wir arbei­ten von Nor­den­ham aus, bun­des­weit und online. Ein ruhi­ges ers­tes Gespräch reicht, um zu klä­ren, ob ein sys­te­mi­scher Zugang zu dei­ner Situa­ti­on passt.